Trini-Time, Liquid Sunshine & Chutney Soca – das süße Leben der Karibik

„Trini-Time“ nennt man das Phänomen, eine halbe Stunde zu spät bei Verabredungen zu erscheinen und Sprühregen begrüßt man als „Liquid Sunshine“. Auf den Schwesterninsel Trinidad und Tobago ticken die Uhren anders, karibisch anders.

Die Easy-Going-Mentalität der Trinbagonians gefällt mir auf den ersten Blick und so finde ich mich nach Ankunft im geschichtsträchtigen Blue Haven Hotel auf Tobago mit dem stärksten Rumpunsch meines Lebens wieder. Wir haben unsere Drinks noch nicht mal halb geleert, da vereinbaren wir kichernd einen Sundowner-Yogatermin am hauseigenen Strand für den nächsten Tag. Über uns leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir…

Blue Haven Hotel Tobago

Schon Rita Hayworth und Robert Mitchum feierten im Blue Haven Hotel

Natürlich Tobago

Das zwischen Türkis und Kornblumenblau schimmernde karibische Meer hebt sich nur durch wenige Nuancen vom Azur des Himmels ab, als die Island Girl aus der Bucht Mount Irvine auf der Karibik-Insel Tobago ausläuft. Der schnittige 43 Ft. Luxus Katamaran schwebt zwischen Himmel und Wasser, ihr Bug gleitet lautlos über die ruhige karibische See. Kapitän Danny erklärt kurz die Route des Trips zur Emerald Bay und befiehlt lächelnd: „The bar is now open, barbecue at 12 o’clock“. Als wir die Bucht verlassen, durchbrechen plötzlich mehrere Finnen die spiegelnde Oberfläche. Schlank und wendig springen graue Körper aus dem Wasser durch die Luft. „Dolphins“ schallte es an Bord. Die Island Girl dreht einladend eine Runde, da surfen die Delphine auch schon die Bugwelle des Katamarans unter dem Netz auf dem ich sitze. Einer von ihnen blickt mir direkt in die Augen.

Chutney Soca

Kapitän Danny legt landestypische (Chutney-)Soca Musik auf, in der indische Klänge oder Reggea-Vibes mit Calypso-Beats verschmelzen und setzt Segel. Für unsere Frauen-Truppe genau der richtige Sound. Die Island Girl fliegt an der Westküste Tobagos an Stonehaven und Culldon Bay vorbei, um in der Cotton Bay zu ankern, einer einsamen Bucht mit smaragdgrünem Wasser, die nur per Boot zu erreichen ist. Dschungel und Palmen säumen die Buchten Tobagos und darüber thront wie eine Krone der Main Ridge Gebirgszug, der das älteste Naturschutzgebiet der westlichen Hemisphäre birgt.

Seit 1776 beheimatet er eine Artenvielfalt, die einmalig ist für die Karibik. Mit Schnorchel, Taucherbrille und Flossen lasse ich mich in die smaragdgrüne Cotton Bay fallen. Während ich schwerelos an der Wasseroberfläche baumle, ist das Korallenriff zum Greifen nah, Schwärme von Papageienfischen, Tintenfischfamilien und Zweierformationen blauer Doktorfische ziehen im klaren Wasser an mir vorbei. Umkreisen und Küssen sich scheinbar. Unbeeindruckt von der Kulisse und meiner Anwesenheit kommen sie nah heran und beäugen mich kritisch.

Snorkeling
Einsame Westküste

Little Tobago

Die Unterwasserwelt von Trinidad und Tobago wird vom Artenreichtum an Land sogar noch übertroffen. „Ieri“– Land der Kolibris nannten die indianische Ureinwohner die Inseln, die vor circa fünf Millionen Jahren noch mit dem südamerikanischen Festland verbunden waren. Bevor der Golf von Paria anstieg. 433 dokumentierte Vogelarten, über 2000 Pflanzen, darunter 700 Arten von Orchideen,  sind dank Naturschutz und gemäßigtem Tourismus heute noch erhalten. Nicht nur für Vögel paradiesische Zustände.  Newton George, leidenschaftlicher Ornithologe, kennt sie alle und bringt uns auf Tuchfühlung mit seinen gefiederten Freunden.

Das Glasbodenboot schippert uns von der Batteaux Bay in Speyside nach Little Tobago, einer unbewohnten Insel, die man auch Birds of Paradise Island nennt. Auf der Aussichtsplattform staune ich angesichts des Seevögel-Spektakels, als einer der Fregattevögel in Piratenmanier eine Möwe dazu nötigt ihren Fang wieder auszuspucken. Der heilige Gral der Birdwatcher, versichert mir Newton. Tobago ist wie eine hyperrealistische 3D-Naturdokumentation, in der man mittendrin steckt. Auf der Rückfahrt entdecken wir eine riesige Lederschildkröte. Exemplare dieser Art können bis zweieinhalb Meter groß und bis zu 900 Kilogramm schwer werden. Einen Steinwurf von unserem Boot entfernt, taucht sie auf um Luft zu holen, groß wie eine treibende Haustüre, kämpft sie sich durch die Wellen des Atlantiks.

Blick von Little Tobago
Blick von Little Tobago

Traumstrand Pigeon Point

Nahe dem Äquator versinkt die Sonne schnell wie ein Stein im karibischen Meer. Genau 12 Stunden und acht Minuten scheint sie täglich. Am Pigeon Point Heritage Park, einem der schönsten Strände der Karibik, kann man diese Sonnenstunden perfekt füllen. In der Postkarten-Kulisse empfängt und Sonnyboy und Surflehrer Duane Kenny zum Stand-Up-Paddling. Seit 400 Jahren lebt seine Familie mit spanisch-schottischen Wurzeln bereits auf Trinidad und Tobago.

Indische, lateinamerikanische, europäische und afrikanische Einflüsse ergeben den interessanten Trinbagonians-Mix. Schneeweißer Sandstrand, türkisgrünes Wasser und Palmen, die sich vor dem Wind verneigen, säumen die flache Landzunge. Pigeon Point vereint die typischen Karibik-Träume an einem einzigen Strand: Erholungsgebiet, Partylocation, Wassersportzentrum, Schnorchelparadies und „Place to be“ in the West Indies. Lautlos gleiten wir an der Küste mit den charmanten Palmen entlang, bis neben einem Pier mit palmblattgedeckter Hütte ein Glasbottom Boot zum Buccoo Reef auf uns wartet.

Traumstrand Pigeon Point
Traumstrand Pigeon Point
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Sundowner zum Umfallen schön

Bucoo Reef und No Man’s Land

Das seit Jahrmillionen gewachsene Buccoo Reef erstreckt sich über 12 Quadratkilometer und bildet ein Freiluft-Aquarium der Superlative. Die nahegelegene Sandbank aus zerfallenen Korallen mitten im karibischen Meer heißt Nylon Pool. Durchscheinend wie Muranoglas soll er Badende um zehn Jahre verjüngen. Mit aquamarinblauem Wasser in Badewannentemperatur, das nur bis zur Brust reicht, fühlt sich auch der Mantarochen wohl, der majestätisch seine Bahnen am Rande des “Pools“ zieht.

Bootsführer Andy dreht die uns mittlerweile wohl bekannten Soca-Hits auf. Mit Rumpunch tanzen wir im Wasser  – am Horizont eine einsame Lagune, das muss No Man’s Land sein, wo schon ein Barbecue auf uns wartet. In der Karibik schwimmt übrigens niemand hektisch umher und zieht verkniffen seine Bahnen, nein hier schnappt man sich eine alkoholfreie LLB-Limonade oder einen garantiert nicht alkoholfreien Rumpunsch und setzt sich mehr oder weniger ins Wasser. Ob wir heute zur Sunday School gehen, fragen uns immer mehr Trinbagonians. Sunday School ist DIE Party auf Tobago. Das Bad im Nylon Pool hat offenbar gewirkt.

Dschungel und Party auf Trinidad

Nach einer durchtanzten Sunday School Nacht mit Kapitän Danny und seiner Crew geht’s am nächsten Morgen mit dem Flieger nach Trinidad. Die Trinbagonians nutzen diese Verbindung wie wir die U-Bahn. Morgens hin, abends zurück. Trinidad hat zwar nicht so viele Strände wie Tobago, dafür beweist die Maracas Bay im Norden Traumstrand-Potential: Weißer Pulversand, riesige Palmen, die Schatten spenden und der von azurblau bis ultramarin schimmernde Ozean.

Das Nationalgericht „Bake & Shark“ gibt’s hier direkt am Strand: überbackener Schwarzspitzenriffhai wird nach belieben mit Salat, Tomaten und Soßen in ein frittiertes Brötchen geschlichtet. Eine Art kreolischer Hai-Döner. Je mehr, desto besser schmeckt’s. Eine Stunde Fahrtzeit von Port of Spain entfernt, liegt die tief eingeschnittene Bucht umgeben von der Dschungel bedeckten Bergkette Northern Range – eine Fortsetzung der venezolanischen Küstenkordilleren. Seinen Bergen verdankt Trinidad auch seinen Namen – Als Christopher Kolumbus sich 1498 erstmals näherte, stachen ihm die drei Hügel der Trinity Hills ins Auge und er taufte die Insel Trinidad, spanisch für Dreifaltigkeit.

Blick auf die Maracas Bay
Blick auf die Maracas Bay
Maracas Bay Trinidad
Bei Richard’s Bake&Shark kreolischen Haidöner kredenzen

Karneval

Gunda Harewood, eine quirlige Deutsche, lebt bereits seit über 30 Jahren auf Trinidad, sie hat Connections und wird uns in die Kunst des Karnevals einweihen. Auf Trinidad feiert man nach Rio de Janeiro den größten Karneval der Welt und den größten und berüchtigsten der Karibik. „Bei der Eröffnungsparty J’ouvert in der Nacht vor Rosenmontag geht’s besonders wild zu. Statt schicken Kostümen trägt man ein abgeschnittenes Shirt und Shorts, die man nach kürzester Zeit kaum mehr erkennt, weil man sich gegenseitig mit Schokolade, Öl und Farbe bekleckst.“ verrät Gunda mit leuchtenden Augen. Erst an den darauf folgenden Tagen tragen die karibischen Schönheiten edlen Federschmuck und knappe Bikini Outfits.

Die konzipiert beispielsweise Derek Lewis, Art Director und kreativer Kopf der Karnevalstruppe Island People Mas. Er zeigt uns die Kollektion für 2014. Traumhafte Kompositionen aus Tausenden von Federn und glitzernden Schmucksteinen, die wir am liebsten gleich anprobieren möchten. Das Besondere am Karneval in Trinidad ist, dass im Gegensatz zu Rio jeder ein Teil davon werden kann. Man leiht oder kauft sich ein „magisches“ Kostüm und tanzt in einer Mas Band (kommt von Maquerade) mit. 2014 findet der Karneval von 3. Bis 4. März statt.

Derek Lewis
Island People Mas – Derek Lewis
Trinis have more fun
Trinis have more fun

Kolibris

Nach einem hinduistischen Tempel direkt am Meer und der größten hinduistischen Gottesstatue der westlichen Hemissphäre bringt uns Gunda nach Yerette, wo in Theo Fergusons Garten Hunderte, manchmal Tausende von verschiedenen Kolibris ihr Quartier aufschlagen. Schneller als das menschliche Auge bewegen sie ihre Flügel, stehen in der Luft wie Helikopter und haben einen Herzschlag von bis zu 1200 Schlägen pro Minute. Die flinken Flieger schillern wie die Karnevalskostüme in allen erdenklichen Farben des Regensbogens, Theos Garten summt und brummt.

Bei Sonnenuntergang im Caroni Swamp, einem Mangrovensumpf südlich von Port Spain, liefern Scharlachrote Sichler ein eindrucksvolles Schauspiel: Die purpurfarbenen schlanken Vögel fliegen kurz vor der Dämmerung gesammelt zu ihrem Schlafplatz, einem altem Mangrovenbaum. Bevor die Sonne am Horizont versinkt, gleiten sie wie Hunderte von roten Pfeilen durch die Luft, alle mit einem gemeinsamen Ziel.

Caroni Swamp
Caroni Swamp

Trinidads Regenwald und die Mangroven zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Welt: Mehr als 460 verschiedene Vogel-, 100 Säugetier- , 600 Schmetterlings- und 55 verschiedener Reptilienarten kann man hier live beobachten. Darunter Kaimane, Leguane, Boas, Affen, Seekühe, Gürteltiere, Ameisenbären, Ozelots, Pelikane und Papagaien. Kein Zoo der Welt kann da mithalten. Das Besondere an Trinidad und Tobago ist die einmalige Mischung aus Traumstränden und Artenvielfalt, aus Karnevalskultur, karibischer Lebensart, und dem frischesten Seafood, das man sich vorstellen kann. Man braucht keine Impfungen und keine Angst vor Hurrikanes haben, denn Trinidad liegt unterhalb des Hurrikane-Gürtels.

Beim Check-in für den Rückflug wären wir übrigens beinahe eine halbe Stunde zu spät gekommen – Trini-Time eben! Und an Bord haben wir uns gewundert, warum der Kapitän weder Soca-Music auflegt noch Rumpunsch servieren lässt. Gar nicht so leicht, die Karibik hinter sich zu lassen…

INFOTEIL:

Einreise: Kein Visum für Aufenthalte unter 3 Monaten erforderlich

Währung: 1 Euro = 8,7 TTD (Trinidad/Tobago-Dollar);

Anreise: Condor fliegt montags via Frankfurt direkt nach Tobago (ab 690 Euro hin und zurück). Von Tobago kann man stündlich mit Caribbean Airlines nach Trinidad fliegen (20 Minuten Flugzeit, für ca. 37 Euro hin und zurück), zweimal täglich pendelt eine Fähre zwischen den beiden Inseln. (ca. 2,5 h Fahrtzeit)

Impfungen: Es sind keine speziellen Impfungen notwendig.
Unterbringung:

Trinidad: Gute Lage mit Blick auf Port-of-Spain: The Carlton Savannah (ab 120 Euro/Nacht www.thecarltonsavannah.com)

Tobago:

– Boutiquehotel mit Geschichte, Rita Hayworth ging hier ein und aus: Blue Haven Hotel (ab 135 Euro/DZ, www.bluehavenhotel.com)

Beach Blue Haven Hotel
Beach Blue Haven Hotel

– Clubanlage Magdalena Grand Beach Resort mit Golfanlage inklusive Kaiman (ab 170 Euro/max. vier Erwachsene, www.magdalenagrand.com)

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Essen:

Mittags bei „Gemma’s Treehouse Restaurant“ in einem Baumhaus Scampi kreolische Art mit Blick auf das Wasser genießen oder abends auf der romantischen Terrasse des „The Seahorse Inn“ zum Rauschen der Brandung dinieren.

Karneval: 3.-4. März 2014

gotrinidadandtobago.com

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Maracas Bay Trinidad, W.I.
Maracas Bay Trinidad, W.I.

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